Landtag von Baden-Württemberg
16. Wahlperiode
Drucksache 16 / 409
08. 08. 2016

16_0409_D

Kleine Anfrage des Abg. Dr. Heiner Merz AfD und Antwort des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst

„Gender“-Forschung in Baden-Württemberg

Kleine Anfrage
Ich frage die Landesregierung:

  1. Wie viele Hochschullehrer beschäftigen sich an baden-württembergischen Hochschulen mit den Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung?
  2. Wie viele wissenschaftliche Mitarbeiter sind diesen insgesamt zuzurechnen?
  3. Welche Lehrveranstaltungen zum Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung wurden seit dem Wintersemester 2014/2015 an baden-württembergischen Hochschulen angeboten?
  4. In welchen Studiengängen an baden-württembergischen Hochschulen sind Veranstaltungen zum Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung verpflichtend zu belegen?
  5. Welche Kosten verursacht die sogenannte „Gender-Forschung“ und die zugehörige Lehre an baden-württembergischen Hochschulen jährlich (Vergütung für Hochschullehrer, Mitarbeiter sowie sonstige Kosten)?
  6. Vertritt sie die Ansicht vieler „Gender“-Forscher, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen ausnahmslos sozial konstruiert sind oder erkennt sie an, dass biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen?
  7. Von der Existenz wie vieler Geschlechter geht sie aus?

 

08. 08. 2016
Dr. Merz AfD

Begründung
Die sogenannte Genderforschung unterliegt, etwa hinsichtlich ihrer Wissenschaftlichkeit, einer gewissen Kritik. Diese Kleine Anfrage soll einige Eckpunkte zu der genannten Disziplin darlegen.

Antwort
Mit Schreiben vom 1. September 2016 Nr. 15-7533.-2-11/2/1 beantwortet das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Abstimmung mit dem Ministerium für Soziales und Integration die Kleine Anfrage wie folgt:

Ich frage die Landesregierung:
1. Wie viele Hochschullehrer beschäftigen sich an baden-württembergischen Hochschulen mit den Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung?
2. Wie viele wissenschaftliche Mitarbeiter sind diesen insgesamt zuzurechnen?
3. Welche Lehrveranstaltungen zum Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung wurden seit dem Wintersemester 2014/2015 an baden-württembergischen
Hochschulen angeboten?
4. In welchen Studiengängen an baden-württembergischen Hochschulen sind Veranstaltungen zum Thema „Gender“ oder der Geschlechterforschung verpflichtend
zu belegen?
5. Welche Kosten verursacht die sogenannte „Gender-Forschung“ und die zugehörige Lehre an baden-württembergischen Hochschulen jährlich (Vergütung
für Hochschullehrer, Mitarbeiter sowie sonstige Kosten)?
Zu 1. bis 5.:
Die Hochschulen sind frei in Forschung, Lehre und Kunst. Das Land und die Hochschulen stellen sicher, dass die Mitglieder der Hochschulen die durch Artikel 5 Absatz 3 Grundgesetz garantierten Grundrechte wahrnehmen können. Diese Festlegung des LHG bedeutet, dass über die inhaltlichen Schwerpunkte innerhalb der Forschung und Lehre in den Hochschulen entsprechend der Hochschulautonomie selbstständig entschieden wird. Daher werden auch weder die einzelnen Lehrveranstaltungen der Hochschulen noch deren Zugehörigkeit zu den Studiengängen vonseiten des Landes erfasst.
Die Gender-Dimension wird gemäß § 4 (1) LHG aber zweifellos in zahlreichen Forschungsvorhaben und Lehrveranstaltungen als Teilaspekt mit betrachtet. Verbindliche Aussagen zur Anzahl von  wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Lehrveranstaltungen oder verpflichtenden Lehrveranstaltungen können daher nicht gemacht werden. Ebenso sind mit einer Gender-Forschung verbundene Kosten nicht
abzugrenzen. Die Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung an der Freien Universität Berlin (ZEFG) gibt eine Übersicht über Professuren mit einer Voll- oder Teildenomination für Frauen- und Geschlechterforschung/Gender und Diversity Studies. Die Abfrage für Baden-Württemberg zeigt derzeit 12 Professuren, die auf folgender Seite dargestellt sind:

6. Vertritt sie die Ansicht vieler „Gender“-Forscher, dass die Unterschiede zwischen Männern und Frauen ausnahmslos sozial konstruiert sind oder erkennt sie an, dass biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen?
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ist der Auffassung, dass es Menschen mit verschiedenen biologischen Ausprägungen gibt und dass Verhalten nicht nur biologisch, sondern vor allem kulturell bedingt und daher erlernt ist. Welches Aussehen, welches Verhalten und welche Rolle eine Gesellschaft als typisch männlich oder typisch weiblich betrachtet oder einfordert, kann demnach je nach Epoche und Lebensraum sehr unterschiedlich sein.

7. Von der Existenz wie vieler Geschlechter geht sie aus?
Es steht jedem Menschen frei, die Frage der eigenen Geschlechtsidentität nach individueller Auffassung zu beantworten. Im juristischen Sinne sieht das deutsche Personenstandsrecht die Möglichkeit vor, Personen dem männlichen, weiblichen oder keinem Geschlecht zuzuordnen.

Bauer
Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst