Alleinerziehend

ein Beitrag von Corinna Daiss

Laut Kinderschutzbund leben rund 4,4 Millionen Kinder in Deutschland in Armut. Von 2016 bis nun 2018 ist diese Zahl sogar um 1,4 Millionen angestiegen. Die Bertelsmann Stiftung berichtet, “… dass jedes 4. Kind an der Armutsgrenze bzw. in Armut aufwächst.”
Laut der Online-Zeitung ‘Tagesspiegel’ beträgt das statistische Einkommen von Alleinerziehenden, durchschnittlich 976 Euro monatlich. Der Präsident des Statistischen Bundesamtes Thiel äußert hierzu ” … vor allem unerwartete Ausgaben stellen Alleinerziehende häufig vor große Probleme.”
 
Obwohl viele Alleinerziehende gut ausgebildete Fachkräfte sind, können sie nicht in Vollzeit arbeiten. Was das bedeutet, spüren diese jedoch nicht nur im gegenwärtigen Einkommen, sondern auch später in der Rente. Etwa 60 % der Alleinerziehenden arbeiten in Teilzeit. Gründe sind in allererster Linie die Problematik der Betreuungszeiten. Wenn man sich in kleineren Gemeinden umsieht, enden dort die angebotenen Betreuungszeiten der Kindergärten meist um 13:30 Uhr.
In Städten gibt es Einrichtungen, die für Alleinerziehende zu teuer sind; so kostet z.B. in Schorndorf im Rems-Murr-Kreis eine Kita mit Ganztagesbetreuung für Kinder ab 3 Jahren in Stufe 1 bis zu 414 Euro zzgl. Verpflegungskosten von 70 Euro monatlich.
Diese knapp 500 Euro Betreuungskosten sind für Alleinerziehende, die in Teilzeit arbeiten müssen, absolut nicht tragbar. Auch Mütter oder Väter, die finanziell oberhalb der sogenannten ‘Armutsgrenze’ liegen, können sich so eine Betreuungsform nicht in vollem Umfang leisten.
  
In der heutigen Zeit, in der Mietwohnungen in Städten kaum noch bezahlbar sind und ein Umzug aufs Land diesbezüglich oft die einzige Alternative darstellt kommen dann dort andere Probleme. Die Mieten sind dann zwar günstiger als in der Stadt, aber man muss mobil sein. Denn Kinder müssen Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel haben. Ein eigenes Auto zu besitzen, ist oft auch eine Herausforderung für viele Betroffene. Zumal dies nicht nur Benzinkosten bedeutet sondern auch Wartung, Reparaturen, Versicherung und Steuern.
Auch erweist es sich für Alleinerziehende als sehr schwierig, überhaupt eine Mietwohnung zu finden da sie häufig als “riskante Mieter” eingestuft werden. Eine Vorverurteilung die leider allzu oft stattfindet.
Auf einer Beliebtheitsskala des Internetportals Scout24, sind bezüglich Vermieterpräferenzen Alleinerziehende auf Platz sechs von insgesamt sieben.
Weiter ist es unbegreiflich, dass bezahlbarer Wohnraum insbesondere von öffentlichen Trägern oft nicht nachvollziehbar vergeben wird. Gerade für die Gruppe der Alleinerziehenden hängt es wirklich vom Glück ab, einen geeigneten Wohnraum für sich und die Kinder zu finden. Das Angebot solcher Wohnungen ist begrenzt und die Nachfrage, insbesondere auch durch die Konkurrenz heutiger Zeiten dementsprechend spürbar groß.
Es ist verheerend mit anzusehen, wenn man sieht, dass Häuser und Wohnungen leer stehen und diese nicht bedürftigen Alleinerziehenden zugesprochen werden, sondern andere Planungen dafür vorgesehen werden – laut Nachfrage bei einem Rathaus im Landkreis Waiblingen wird dieser  Wohnraum, so wörtlich “… freigehalten für Asylbewerber oder Flüchtlinge.”
Birgit K., eine Alleinerziehende mit einem zwölfjährigen Sohn sagt hierzu “… dies ist immer wieder ein Schlag ins Gesicht “. Sie könne mit einem Teilzeitjob und einer zusätzlichen Putzstelle auf Minijob-Basis nur eine gewisse Miete stemmen, schließlich muss sie auch noch den Kühlschrank füllen und alle weiteren Kosten eines Haushalts tragen – so wie jeder andere Nicht-Vollunterstützte auch, allerdings alleine. Einen Mietzuschuss bekäme sie leider nicht, da sie knapp über dessen Einkommensberechnungsgrenze liege. Auch das Bildungs- und Teilhabepaket, bekommt sie – aufgrund weniger Euros zuviel im Portemonnaie – für ihren Sohn nicht.
Das Bildungs- und Teilhabepaket, steht Personen zu, welche Sozialleistungen beziehen oder über geringes Einkommen verfügen. Es soll Kinder ein warmes Mittagessen in Kita oder Schule ermöglichen. Auch die Übernahme von Klassenfahrten oder Schulbedarf, ggf. Nachhilfeunterricht wird durch dieses gedeckt.
Allerdings ist in diesem Paket auch die Teilnahme an Sport-, Freizeit – und Kulturangeboten begrenzt. Das heißt, jedes Kind hat für solche Angebote nur 10 Euro monatlich zur Verfügung. So müssen Kosten, welche über diese 10 Euro im Monat hinausgehen, z.B. Kursgebühren eines Sportvereins, auch vom Alleinerziehenden selbst getragen werden.

Das Bildungs- und Teilhabepaket ist somit zwar eine nützliche und notwendige Unterstützung, jedoch können sich nicht alle Familien und Alleinerziehenden solche zusätzliche Kosten leisten, da diese dann wieder an einer anderen Stelle eingespart werden müssen.

Die Aussage “Bildung hat nichts mit Einkommen zu tun” ist daher leider unzutreffend, ja sogar absurd. Auch in unserem Lande zeigt die Erfahrung, dass Bildung sehr wohl etwas mit Geld zu tun hat. Als Geringverdiener ist es nicht möglich, sein Kind z.B. ein Musikinstrument lernen zu lassen, da hier eine Unterrichtsstunde z.B. 30 Euro kostet.
Viele private Vereine oder Bildungsstätten arbeiten auch nicht mit dem sogenannten Paket der Bildung und Teilhabe zusammen, was heißt, die Kostenübernahme hierfür kann dann nicht durch die Stadt übernommen werden .
Kinder und Jugendliche haben Ansprüche, Wünsche und ein Recht auf Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Daher stimmt es insbesondere Alleinerziehende traurig, wenn die eigenen Kinder oft, wie man sagt “zurück stecken“ müssen. Wochenendausflüge und anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel ins Kino gehen, müssen meistens vorab geplant und abgesprochen werden – vor allem, wenn mehrere Kinder im Haushalt leben.
Eine Arbeitsplatzsuche als alleinerziehende Mutter oder Vater gestaltet sich zudem oft auch schwierig. Sobald es um die Betreuung der Kinder geht, oder wenn seitens des Arbeitgebers die berechtigte Frage gestellt wird “wer passt auf ihr Kind auf, wenn es krank wird ?”, scheint eine erhoffte Flexibilität beim Arbeitgeber meist plötzlich in den Hintergrund zu rücken.
Selbstverständlich möchte man ein flexibler, motivierter und zuverlässiger Arbeitnehmer sein, aber gegen Krankheiten, die Kinder bekommen, ist keiner gefeit und Eltern müssen dann da sein.
Es wäre wünschenswert, wenn insbesondere bei Alleinerziehenden die Chance eingeräumt werden könnte, vorab miteinander abzusprechen, in wieweit Arbeitszeiten und Arbeitstage planbar sind. Gerade für Alleinerziehende ist es wichtig, ein Stück Sicherheit in der Arbeitswelt zu haben. Kinder werden älter, daher ist die Zeit besonderer Rücksichtnahme befristet und ein Arbeitgeber hat eine bewährte und eingearbeitete Kraft um diese dann bei Bedarf von einer Teilzeitstelle auf eine Vollzeitbeschäftigung aufzustocken.
Alleinerziehende Eltern leisten tagtäglich einen tollen Job, der ein Spagat zwischen Beruf, Kind und Haushalt ist.
Es wäre wichtig, dass in verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Bereichen wie z.B. der Kinderbetreuung, der Staat weitere Verbesserungen anstrebt – Verbesserungen, von denen auch Alleinerziehende profitieren die selbst erarbeitete Einkommen haben, welche oft umständehalber jedoch leider nur knapp über Sozialhilfesätzen liegen.